Orgel mit Flügel

Matthias Kirschnereit (Klavier) und Markus Langer (Orgel) spielen Werke von Bach, Schumann, Beethoven, Liszt

Programm


Johann Sebastian Bach (1685 – 1750)
Praeludium und Fuge h-Moll BWV 544

Johann Sebastian Bach
Praeludium und Fuge cis-Moll BWV 849 (Wohltemperiertes Klavier I)

Robert Schumann (1810 – 1856)
Fuge über B-A-C-H op. 60, 3 Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847)
Variations sérieuses op. 54

Franz Liszt (1811 – 1886)
„Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“ Variationen über den ersten Satz einer Bachkantate

Ludwig van Beethoven (1770 – 1827)
Klaviersonate d-Moll op. 31 Nr. 2 („Der Sturm“) Largo–Allegro – Adagio – Allegretto

Johann Sebastian Bach
„Jesus bleibet meine Freude“ BWV 147

„Nicht Bach! Meer sollte er heißen, wegen seines unendlichen, unerschöpflichen Reichtums an Tonkombinationen und Harmonien!“ - dieses Bonmot soll Beethoven über den großen Übervater der Musikgeschichte, Johann Sebastian Bach, geäußert haben. Tatsächlich hat Ludwig van Beethoven die Kompositionen Johann Sebastian Bach zeitlebens studiert und verehrt. Insbesondere in seinem Spätwerk greift er auf barocke Formen wie etwa Fugen oder Variationen in einer Art und Weise zurück, die dieser Musik Ordnung und Vision von nahezu spiritueller Dimension geben.

Die Sonate Opus 31/2 in d-Moll mag insbesondere im Finalsatz an ein Bachsches Praeludium erinnern: Wie in den beiden motorisch geprägten d-Moll-Praeludien Bachs aus dem Wohltemperierten Klavier I und II baut Beethoven hier einen äußerst bewegten, geradezu körperlichen Satz aus einer stets gleichbleibenden Spielfigur. Der Name „Sturmsonate“ entspringt einer interessanten Anekdote: Sorgte doch dieses Werk in Beethovens Umfeld zunächst für absolutes Unverständnis. Tatsächlich vermisst man zu Beginn ein klar definiertes Thema, alles beginnt vage und suchend auf dem Sextakkord der Dominante. Erst nach einem zweiten Anlauf entwickelt sich das musikalische Geschehen hin zum dramatischen, aufbäumenden d-Moll-Thema in der linken Hand. Die sich unmittelbar anschließende chromatische Klage im Sopran dürfte als kontrastierendes Seitenthema verstanden werden. Auf die Frage des Schülers Anton Schindlers an den Meister, wie dieses Werk denn zu deuten sei, soll Beethoven geantwortet haben: „Lesen Sie Shakespeares ,Sturm‘!” Im Adagio breitet Beethoven einen orchestral empfundenen, tiefsinnigen Satz von geradezu philosophischen Dimensionen aus.

Bachs Praeludium und Fuge cis-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier zeigen den empfindsamen, melodischen Bach. Von den ihm seinerzeit zur Verfügung stehenden Tasteninstrumenten dürfte dieses Kleinod dem Clavichord zugedacht sein - wohingegen die 5-stimmige Fuge ein Orgelwerk darstellen könnte. In geradezu magischer Manier entwickelt Bach hier einen musikalischen Sog vom Dunkel zum Licht, einen Aufstieg aus den Tiefen einer Krypta bis hin zum erlösenden Kreuz. Das Hauptthema erinnert stark an B-A-C-H, zwei weitere Themen sorgen für eine extreme Ausdrucksdichte.

Das Paar Praeludium und Fuge h-Moll gehört zu den Spätwerken des Leipziger Thomaskantors. Der leidenschaftliche Affekt des Praeludiums, das im Concerto-Stil Vivaldis komponiert ist, erinnert an die zu Herzen gehende Arie aus der Matthäuspassion „Erbarme dich, mein Gott“. Die Doppel-Fuge, im Palestrinastil vokal orientiert, entwickelt beim Wiedereintritt des Pedals im letzten Teil Bestimmtheit, die zu einer Deutung „durch Nacht zum Licht“ verleitet.

Unvorstellbar für unsere Zeit, dass die Werke Johann Sebastian Bachs hundert Jahre lang nach seinem Tod nicht aufgeführt worden sind. Insofern ist es dem 20-jährigen Felix Mendelssohn Bartholdy nicht hoch genug anzurechnen, zum 100-jährigen Bestehen der „Matthäuspassion“ eben diese aus dem Dornröschenschlaf erweckt zu haben und dem begeisterten Berliner Publikum im Jahre 1829 zu präsentieren. Die Beschäftigung mit dem Oeuvre Bachs beeinflusste sein eigenes kompositorisches Schaffen in höchstem Maße. Neben seinen Oratorien, den Praeludien und Fugen für Orgel wie auch für das Klavier bezeugt nicht zuletzt sein bedeutendstes Klavierwerk, die Variations sérieuses d-Moll op. 54, die Nähe zu Bach.

Das melancholische Thema mutet wie ein 4-stimmiger Choral von Bach an, inmitten des Zyklus sorgt ein eingebautes Fugato für inneren Halt und Orientierung. Mendelssohn wollte mit diesem Zyklus den seinerzeit so beliebten, doch vergleichsweise leichtgewichtigen ‚Variations brillantes‘ entgegensteuern, und tatsächlich ist dieses Werk von geradezu existenziellen Fragestellungen durchzogen. Auch Robert Schumann beschäftigte sich immer wieder mit der Kontrapunktik und der Musik Bachs. Ihm setzte er ein musikalisches Denkmal mit der Komposition der B-A-C-H Fugen op. 60.

Interessant ist der Brief, mit dem Schumann die Stücke 1849 dem Verlag André in Offenbach anbot. Er wisse, schrieb er, „daß Fugen ein weniger gangbarer Artikel sind, wobei ich noch andeuten möchte, daß Sie in ihnen (den Fugen) nicht gerade trockene Formfugen suchen wollten; es sind, so glaube ich wenigstens, Charakterstücke nur in strengerer Form“. Die Briefstelle ist insofern von Bedeutung, als „Charakter“ in Schumanns Musikauffassung ein fest umrissener Terminus war. „Charakter, musikalischen“, heißt es in einem Artikel, den er bereits 1834 für ein Konversationslexikon verfasste, „hat eine Composition, wenn sich eine Gesinnung vorherrschend ausspricht, sich so ausdrängt, daß keine andere Auslegung möglich ist [...] Charakteristische Musik unterscheidet sich von der malerischen (pittoresken), daß sie die Seelenzustände, während die andere die Lebenszustände darstellt; meistens finden wir beides vermischt“.

„Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen“, die Anfangszeile von Bachs Kantate 12 war für Franz Liszt Grundlage einer Totenklage für seine Tochter Blandine Ollivier, die 1862 starb. Liszt zog Bachs Chorsatz, der in der späteren Bearbeitung als „Crucifixus“ der h-Moll-Messe noch besser bekannt ist, durch die ausgeprägte Chromatik in seinen Bann. Der chromatisch absteigende Bass, „Passus duriusculus“ oder „Lamentobass“ genannt, ist schon im Original mit einem so starken Ausmaß scharfer Dissonanzen verbunden, dass Liszt diesen Ausdruck nur zu steigern brauchte. Seine Orgelfantasie beginnt selbst mit einer Passacaglia über das Bassthema, schreitet dann aber zielstrebig von der Finsternis zum Licht fort, das durch den hymnischen Choral „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ symbolisiert wird.

Venue

Universitätskirche Rostock
Klosterhof
18055 Rostock
http://www.uni-rostock.de

Provider

Bachverein Rostock e.V.
Im Heuschober 24
18059 Rostock
Telephone: 017648087003
birkholz@bachverein-rostock.de

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Date
at 24.10.2021
Eventcategory
Klassik
Price

Ticket Normal: 25 €