Superhit des Nordens

von Urlaubsmagazin 2026

„Wo die Ostseewellen trecken an den Strand …“ – schon bei diesen wenigen Worten kommt vielen die dazugehörige Melodie in den Kopf und setzt sich als Ohrwurm fest. Der Text zu diesem Lied stammt von Martha Müller-Grählert, der Heimatdichterin aus Zingst.

 

 

Als das kleine Mädchen kurz vor Weihnachten 1876 in Barth geboren wurde, hieß sie nicht Martha, und auch der Nachname war ein anderer. Ihre Mutter heiratete jedoch bald den Müllermeister Grählert in Zingst, der sich im Nachhinein als leiblicher Vater des Kindes zu erkennen gab. Er war es auch, der die Kleine oft mit Martha ansprach – in Erinnerung an seine eigene Schwester. Später blieb die Tochter von sich aus dabei, es wurde sozusagen ihr Künstlername. Das aufgeweckte Mädchen fiel schon in der Schule mit besonders guten Leistungen auf. Und sie schrieb – ihr allererstes Gedicht war noch auf hochdeutsch, hieß „Meine Heimat“ und erschien im „Barther Wochenblatt“ – da war Martha erst 16 Jahre alt.

Porträt ca. 1910 : Sammlung Sigrid und Hans Arlt
Voigt & Kranz UG

Später wurde sie selbst Lehrerin. Doch schon 1898 lebte sie in Berlin als Schriftstellerin für die Redaktion des „Deutschen Familienblattes“ und veröffentlichte dort hochdeutsche Prosa. Die Erzählung „Seemanns Heimkehr“ zum Beispiel zeigt ihre Verbundenheit zur Heimat an der Ostsee. „Zu Wort kam das Volk vom Darß, oft auf Platt“, erzählt Hans Arlt. Auch in anderen Blättern in ganz Deutschland erschienen ihre Geschichten, im Jahr 1898 auch erste Gedichte auf Plattdeutsch. „Das hat sie als ihre Muttersprache angesehen, es war damals die Sprache des Volkes“, sagt Sigrid Arlt. Sie selbst hat die Mundart zu Hause noch bei ihrer Familie gehört.

Experten in Sachen Heimatdichterin

 

Die beiden, die sich so genau mit der Lebensgeschichte der Heimatdichterin auskennen, wohnen in Hamburg. Aber die 84-Jährige Sigrid Arlt hat ihre Heimat in Barth nie vergessen. Zwar war das Haus ihrer Vorfahren nach dem Krieg enteignet worden, aber nach der Wende konnte das Ehepaar das Gebäude zurückkaufen. Gebaut wurde es vor 125 Jahren. Darin befand sich die Druckerei des „Barther Tageblatts“.

 

Dem Inhaber hatte Martha ihr Werk vermacht, bis heute ist vieles dort in einem kleinen Museum zu besichtigen. „Sie ist die Einzige, die je in Bayern plattdeutsche Gedichte veröffentlicht hat“, schmunzelt Hans Arlt. „Insgesamt waren es etwa 100 in gut 35 Jahren.“ Veröffentlichungen fanden sich nicht nur in ganz Deutschland, sondern sogar in Chicago. Martha Grählert hatte Max Müller, den Sohn eines Gutsbesitzers aus dem Erzgebirge, geheiratet und blieb weiterhin Schriftstellerin. Mit ihm lebte sie sogar drei Jahre in Japan.

 

Mit Beginn des 1. Weltkriegs kehrten sie zurück, wohnten in Dresden und Königsberg. Doch das Wichtigste für sie blieb immer die Heimat an der
Ostsee, deshalb kehrte die Dichterin 1925 allein nach Zingst zurück und blieb bis zum Ende ihres Lebens im Jahr 1939.

Zeitungsausschnitt mit Liedtext von 1908
Voigt & Kranz UG

Ein Lied geht an den Küsten entlang

 

Zeitungsausschnitt mit Liedtext von 1908
Voigt & Kranz UG
Zeitungsausschnitt mit Liedtext von 1908
Voigt & Kranz UG

Ein bestimmtes Gedicht aus dem umfangreichen Werk der Heimatdichterin ist bis heute bekannt: „Mine Heimat“. Darin beschreibt sie Natur und Gefühl ihrer Heimat, Wellen und
Möwen, Sehnsucht und Erfüllung. Simon Kranich, der Leiter des Deutschen Männergesangvereins, komponierte später die eingängige Melodie, die zum Schunkeln einlädt. Die „Ostseewellen“ aus der ersten Zeile werden in manchen Küstenregionen zu „Nordseewellen“ abgewandelt. Martha Müller-Grählert war – wie sie damals in einem Interview sagte – stolz darauf.

Das Museum informiert auch über die Geschichte des Hauses und seiner ehemaligen Besitzer.

 

Dieser Artikel stammt aus dem Urlaubsmagazin Fischland-Darß-Zingst 2026.
Text: Dörte Rahming - wortlaut-rostock.de
Fotos: ©Voigt & Kranz UG - ostsee-kuestenbilder.de

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