Baumstämme für den Küstenschutz

von Urlaubsmagazin 2026

So ganz still war es im vergangenen Winter nicht am Strand von Prerow: Meterlange Baumstämme wurden in den Sand gerammt, insgesamt 15 Buhnen mussten erneuert oder verlängert werden.

 

Setzung der Buhnen mit dem Bagger.
Voigt & Kranz UG
Baggerschaufeln am Strand.
Voigt & Kranz UG

Ein riesiges blaues Gefährt steht an der Wasserkante, ein Kettenbagger auf Extra-Ketten sozusagen. Ganz langsam setzt es sich in Bewegung und fährt – ins Wasser, immer weiter, bis zum Ende der Buhnenreihe. Bis zu drei Meter Wassertiefe machen ihm nichts aus. Die Baggerschaufel wird ebenso langsam in die richtige Position gebracht, senkt sich und zieht einen Pfahl aus dem Wasser. Das meterlange Objekt wird angehoben und später am Strand abgelegt. Strandbesucher, dick eingepackt in Jacken und Stiefel, bleiben stehen und schauen fasziniert zu. Alles an diesem Bauprojekt scheint groß zu sein, das Material genauso wie das Werkzeug.

Und doch ist Präzisionsarbeit gefragt: 240 Buhnenpfähle pro Reihe müssen exakt in Flucht eingesetzt werden. Dafür wird jeder einzelne Pfahl durch die Mannschaft vorgespült, platziert und mit Hilfe des Baggers in den Untergrund gerammt. Etwa eine Woche brauchen sie für eine Buhnenreihe, 30 bis 35 Pfähle schaffen sie pro Tag. „Die Reihe fängt oben an der Düne an und zieht sich bis ins Wasser.“, erklärt Thomas Brünnich aus Kühlungsborn. „Nach dem Rammen werden die am Strand wieder zugeschüttet. Sollte ein Sturm viel Sand wegspülen, bleibt die Buhne trotzdem erhalten.“

Die Pfähle im Wasser werden alle auf eine Länge gesägt. Brünnichs Firma hat den Buhnenbau realisiert. Vier ihrer Mitarbeiter waren etwa fünf Monate lang in Prerow am Werk. Eine leichte Verzögerung gab es, weil der Untergrund härter als angenommen war. Auch in Wustrow und Ahrenshoop haben sie früher schon Buhnen gebaut.

„Meine Statistik sagt, wir haben auf der Halbinsel insgesamt etwa 125.000 Pfähle gerammt“, lacht der Chef. „Durchschnittlich sind sie sechs Meter lang – da kann man ausrechnen, wie viele Meter das sind.“ Nämlich etwa 750 Kilometer, das entspricht ungefähr der Strecke von Prerow bis nach Frankfurt am Main.

Nachhaltiger Küstenschutz

In Mecklenburg-Vorpommern wurden Buhnen erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt. Das Prinzip: Die Kraft der anrollenden Wellen wird abgeschwächt. Positiver Nebeneffekt: Der Sand kann zwischen den Stämmen hindurch wirbeln und sich am Strand ablagern statt ins Meer gespült zu werden. Hier in Prerow war die Uferlinie auf etwa 700 Metern schon stark zurückgegangen,

 

die Dünenböschung auf der Seeseite zum Teil abgebrochen. Um diesen Prozess aufzuhalten, wurde vor anderthalb Jahren schon Sand aufgespült. Durch die neuen Buhnen wird der Strand breiter. So gäbe es im Fall eines Sturmhochwassers genügend Reserven, um die Wellen zu dämpfen.

Buhnen liegen am Strand bereit.
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2.400 Pfähle aus zertifiziert nachhaltigem Eukalyptus-Holz haben Brünnichs Männer in den Ostseesand gerammt. „Es wächst sehr schnell, die Bäume werden in zehn Jahren 40 Meter hoch“, sagt der Unternehmer, der die Plantage in Südafrika selbst besucht hat. Ein weiterer Vorteil: Dieses Holz ist resistent gegen den Pfahlbohrwurm, der schon Tau-sende Stämme zerfressen hat. „Es gab schon Buhnen aus Kiefer, Lärche und Eiche, das hat nicht funktioniert“, zählt Brünnich auf. „Dann haben wir es mit südamerikanischen Hölzern versucht, die aber nicht in ausreichendem Maß zur Verfügung standen.“ Außerdem gab es Versuche mit plastikbeschichteten oder vliesumwickelten Pfählen, solchen aus Beton oder Kunststoffabfällen. „Aber die waren alle entweder nicht resistent oder zu kompliziert zu verbauen.“ Also fiel die Entscheidung auf Eukalyptus.

Schwere Technik für ein großes Projekt

Zwischen drei und acht Metern lang waren die Stämme und wurden mit einem 15-Tonnen-Radlader von der Lagerstelle zum Strand transportiert. „Sie sind alle unterschiedlich tief im Boden versenkt“, erklärt Brünnich. „Die Planerin hat das für den jeweiligen Strandabschnitt genau festgelegt.“ Außerdem hatte L. Jankowski vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Mittleres Mecklenburg etliche andere Punkte auf der Liste:

 

In der Vorbereitung ging es um Vermessung, Erkundung des Baugrunds und Naturschutz-Gutachten. Später stand sie in ständigem Kontakt mit der Brünnich-Bauleitung, gab die Holzlieferungen frei und überwachte den Fortschritt der Arbeiten. Insgesamt kostete jede Buhne, also jede Reihe Stämme, von der Planung bis zum Einbau etwa 100.000 Euro.

Bagger am Strand während des Buhnenbaus.
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Ein Lager voller farbig markierte Buhne für den Einsatz.
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Luftbild vom Buhnenbau.
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In Mecklenburg-Vorpommern sind viele Küstenabschnitte mit verschiedenen Bauwerken geschützt. Verantwortlich ist das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) Mittleres Mecklenburg.

Mindestens einmal im Jahr werden der Zustand der Küsten und der vorhandenen Bauten überprüft, zusätzlich nach Sturmfluten. Dafür werden aktuelle Vermessungsdaten aus dem Airborne Laserscanning (ALS) genutzt, eventueller Handlungsbedarf kann sofort abgeleitet werden. Sollte sich die Küste durch den drohenden Anstieg des Meeresspiegels schneller verändern als angenommen, wird geprüft, ob auch hier Buhnen zur Stabilisierung beitragen können.

 

Dominierendes Schutzelement an der Außenküste sind die Dünen. Sie dürfen nicht betreten werden, um sie in der notwendigen Form zu erhalten.

Holzbuhnen können eine Lebensdauer von über 60 Jahren erreichen. Sie schränken den Transport von Sedimenten parallel zum Ufer ein. Durch die Beruhigung der Strömung lagert sich mehr Sand im Buhnenfeld ab, die Wassertiefe wird verringert. So verlieren die Wellen vor Erreichen des Strandes einen Teil ihrer Energie. Neben den Buhnen gibt es auch Steinwälle, etwa vor Ahrenshoop, um die Wellen zu brechen. Auch Buhnen und Steinwälle sind – wie die Dünen – zum Klettern und Balancieren tabu.

 

An ihnen haften oft scharfkantige Elemente wie Muscheln, die zu Verletzungen führen können. Außerdem bilden sich rundherum unberechenbare Strömungen, die ggf. Schwimmern gefährlich werden.

 

 

Bild des Buhnenarbeiters (Rammers) Danny D.
Voigt & Kranz UG
Andre C., Ausgeildeter Kanalbauer und seit 30 Jahren im Unternehmen.
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Danny D., Rammer:

„Ich bin seit 3 Jahren im Unternehmen. Es ist interessant und herausfordernd,

bei Wind und Wetter an der Ostsee zu arbeiten.“

Andre C.:

„Als Rammer leiste ich seit mehr als 25 Jahren

an vielen Küstenabschnitten Mecklenburg-Vorpommerns und Schleswig-Holsteins

meinen Anteil an der Erneuerung des Küstenschutzes.“

 

Buhnenbau bei Nacht.
Voigt & Kranz UG
Benjamin G. schneidet gerade Holz für die Buhnen zurecht.
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Benjamin G., Rammer:

„Ich habe nach neuen beruflichen Herausforderungen gesucht und sie hier gefunden.“Wir danken der Firma G. Brünnich Bau GmbH aus Kühlungsborn für ihre Kooperation.

 

Dieser Artikel stammt aus dem Urlaubsmagazin Fischland-Darß-Zingst 2026.
Text: Dörte Rahming - wortlaut-rostock.de
Fotos: ©Voigt & Kranz UG - ostsee-kuestenbilder.de

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